Frau Dr. Rinck, warum ist Duisburg für diese Untersuchung besonders spannend?

Produziert von Max Böttner.

Deutschland befindet sich aktuell in einer wirtschaftlich herausfordernden Situation. Als stark industrialisiertes Land ist die deutsche Wirtschaft traditionell in hohem Maße von industriellen Strukturen und vom Export geprägt. Gerade diese Bereiche stehen derzeit jedoch unter erheblichem Veränderungsdruck, unter anderem durch hohe Energiekosten, internationale Wettbewerbsbedingungen und die zunehmende Bedeutung neuer Technologien. Duisburg und das Ruhrgebiet stehen dabei beispielhaft für viele dieser Entwicklungen. Gleichzeitig wird zunehmend darüber diskutiert, dass Deutschland bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung stärker aufholen muss. Die Hightech-Agenda der Bundesregierung ist vor diesem Hintergrund als ein Ansatz zu verstehen, mit dem zentrale Schlüsseltechnologien identifiziert und gezielt gefördert werden sollen, um die technologische und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Für Duisburg ist das sehr interessant, weil die Hightech-Agenda kein Konzept speziell für einzelne Kommunen ist. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wo bestehen Anknüpfungspunkte zwischen den in der Hightech-Agenda genannten Zukunftsfeldern und den vorhandenen Strukturen und Kompetenzen in Duisburg? Genau hier setzt das abgeschlossene Projekt an. Die Projektgruppe hat untersucht, in welchen Bereichen Duisburg bereits über gute Voraussetzungen verfügt, welche Potenziale sich aus den Schwerpunkten der Hightech-Agenda ergeben und wie die dort vorgesehenen Hebel für den Standort genutzt werden können. Dabei geht es nicht nur um die Möglichkeit, Fördermittel zu erschließen. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Duisburg sich in die technologische Entwicklung Deutschlands einbringen und daraus neue Perspektiven für den eigenen Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort entwickeln kann.

Welche Standortstärken können für Zukunftstechnologien besonders relevant sein?

Was soll das Projekt am Ende leisten?

Das Projekt hat dabei deutlich gemacht, dass es nicht sinnvoll wäre, alle in der Hightech-Agenda genannten Schlüsseltechnologien gleichermaßen in Duisburg entwickeln zu wollen. Entscheidend ist vielmehr die Verbindung von Zukunftstechnologien mit den bereits vorhandenen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kompetenzen. Duisburg verfügt beispielsweise über starke Strukturen in Industrie und Logistik, den Duisburger Hafen, die Universität Duisburg-Essen sowie Kompetenzen in den Bereichen Energie, Wasserstoff und Digitalisierung. Gerade an diesen Schnittstellen können Zukunftstechnologien einen konkreten Mehrwert schaffen. Künstliche Intelligenz kann beispielsweise in industriellen Prozessen oder der Logistik eingesetzt werden, während neue Energie- und Wasserstofftechnologien unmittelbar an die industrielle Transformation des Standorts anknüpfen. Auch bestehende Entwicklungen wie das Technologiequartier Wedau zeigen, dass Duisburg bereits über Ansätze verfügt, Forschung, Unternehmen und neue Technologien stärker miteinander zu verbinden. Die Ergebnisse des Projekts zeigen damit vor allem: Die größten Chancen liegen dort, wo Duisburg bereits über Substanz verfügt und diese durch neue Technologien weiterentwickeln kann.

Es geht daher nicht darum, für jede in der Hightech-Agenda genannte Schlüsseltechnologie eine umfassende Entwicklung in Duisburg anzustreben, sondern gezielt die bestehenden Stärken und Potenziale des Standorts weiterzuentwickeln. Die Projektgruppe hebt dabei mehrfach die Bedeutung einer stärkeren Vernetzung hervor, um vorhandene Ansätze besser miteinander zu verbinden. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass Duisburg durchaus von der Hightech-Agenda profitieren kann. Der Projektbericht bietet hierfür eine gute Grundlage.